Zwei Zettel mit Schrifft bad und good

Selbstverständlich nehmen – gut oder schlecht?

Nach ein paar Jahren ist der eigene Partner eine Person, die einfach da ist. Immer. Man nimmt sie für selbstverständlich hin. Gleiches gilt für den Job, in dem man nun schon seit ein paar Jährchen steckt. Die Kollegen sind immer noch die gleichen Menschen, die eigenen Aufgaben weichen selten von der Norm ab und die Kaffeemaschine steht sowieso immer an der gleichen Stelle. Menschen und Dinge in unserem Leben als selbstverständlich wahrzunehmen, liegt in der menschlichen Natur. Doch was ist eigentlich so schlimm daran, mit der Gewohnheit zu leben und etwas als selbstverständlich zu verstehen? Es gibt ein paar gute Gründe, weshalb es alles andere als negativ ist, etwas als selbstverständlich hinzunehmen.

Das, was Sie haben, ist positiver als Sie denken

Jeder hat es wohl schon mindestens einmal aus dem eigenen Bekanntheitskreis gehört: „Ich will mal raus aus dem Alltag.“ Dagegen ist nichts einzuwenden. Veränderungen sind gut, beruhen aber eben oft auf falschen Beweggründen. Wir Menschen haben die Angewohnheit, Dinge, die immer da sind, mit zunehmender Dauer auch immer mehr in Frage zu stellen.

Da ist der ach so lästige Job auf einmal die grässlichste Sache der Welt. Er spült Ihnen zwar ein ordentliches Gehalt in die Kasse, aber darum geht´s ja nicht. Das hätten Sie überall, sagen Sie sich. Schließlich wissen Sie, was Sie können. Mag sein. Aber bis auf Ihre Kollegen und Ihr Arbeitsgeber ist das noch relativ unbekannt bei anderen Arbeitgebern. Die gleiche Wertschätzung, die Sie in Ihrem Betrieb genießen, bekommen Sie anderswo im Normalfall erst nach Jahren. Also beachten Sie die Kehrseite der Medaille, die erst ersichtlich wird, wenn Sie sich die Medaille von beiden Seiten anschauen. Klar, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Aber wer immer nur wagt, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit auch öfter daneben. Erinnern Sie sich einfach ab und zu daran: Das, was Sie haben, ist positiver als Sie denken.

Spießige Sicherheit ist keine Schande

Das Spießer-Dasein ist – und das ist kein Scherz – eine der tollsten Arten zu leben. Andere sagen, Sie wären uncool mit Ihrem Nine-to-Five-Job? Na und, vielleicht sind die anderen auch einfach nur neidisch. Warum? Weil Sie Tag für Tag mit entspannter Selbstverständlichkeit zur Arbeit fahren können, keine bösen Überraschungen auf Sie warten und Sie einfach wissen, was Sie im Job und auf dieser Arbeitsstelle erwartet.

Es ist selbstverständlich, dass Sie sich und Ihrem Partner abends die Butterbrote für den nächsten Tag schmieren. Besser als jeden Tag im hippen Bio-Laden ein Vermögen auszugeben. Es ist auch keine Schande jeden Monat brav in die Rentenkasse einzuzahlen. Sie müssen jetzt leben. Hier und Jetzt. Schon klar! In 40 Jahren aber eben auch noch. Nicht in einem Ein-Zimmer-Rattenloch, sondern so, wie Sie es sich vorstellen. Spießer sein, bedeutet in dem Fall gute Vorkehrungen zu treffen. Ach ja, das Spießer-Dasein. Ein himmlischer Weg zu leben.

Wahre Liebe ist so selbstverständlich, weil du Sie nicht in Frage stellst

Beziehungsleben. Machen wir uns nichts vor: Es kommt der Punkt, da ist die rosarote Brille der ersten Verliebtheit Vergangenheit. Sie entdecken die ersten Macken an Ihrem Partner. Nicht jeder Abend ist mehr mit absolut tollen, revolutionären Aktivitäten verplant, die Couch tut es mittlerweile auch. Und ja, nach einiger Zeit ist die Person an Ihrer Seite, die Sie trotz all ihrer Macken immer noch herrlich zum Lachen bringen kann, so etwas wie selbstverständlich.

Sie kocht Ihnen jeden Abend den Lieblingstee, sonntags steht Eltern-Besuch auf dem Plan und Mittwochabend geht’s zusammen ins Fitnessstudio. Die erste Verliebtheit und die rosarote Brille werden zu „damals“ und es schleicht sich Alltagstrott in die Beziehung ein. Alles wird zur Selbstverständlichkeit. Jetzt wird über Trennung nachgedacht. War das denn wirklich alles, was von einer Beziehung zu erwarten ist? Dann kommt vielleicht die Trennung. Weil die Action fehlt. Der besondere Moment.

Spannung verlieren durch SelbstverständlichkeitenViele Menschen sagen dann, es hat nicht mehr gepasst. Falsch! Vielleicht, und das kann nur jeder selbst beurteilen, hat es sogar super gepasst. Doch Sie wussten, dass das Selbstverständliche die Überraschungen, das Unerwartete mittlerweile verdrängt hat. Doch was ist falsch daran, als eingespieltes Team durch die Welt zu gehen, zu wissen, wann es Zeit ist für den Lieblingstee des anderen? Und was ist falsch daran, jeden Mittwoch gemeinsam ins Fitnessstudio zu rennen? Nichts. Also, quälen Sie sich nicht mit der Frage, ob aus Ihrer Beziehung die Spannung raus ist. Wenn die Spannung durch Sie-Selbst-Sein ersetzt wird, kann es sich auch einfach um Liebe handeln. Sie müssen sich nicht jeden Tag anstrengen. Lassen Sie sich fallen, gucken Sie in die Augen Ihres Partners und freuen Sie sich darüber, jemanden an Ihrer Seite zu haben, der dazugehört. Einfach so. Selbstverständlich.

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